Wieder zurueck in Chicago fuehle ich mich hier nach meinen Ausfluegen in die Provinz richtig heimisch und sicher.
Peru/Indiana: Ich habe nun den Bus nach Peru/Indiana bestiegen. Aber glaubt ja nicht, dass dieser auch in einer Stadt mit diesem Namen haelt. Bei Weitem nicht. Irgendwann rief die Busfahrerin:’Peru’ und liess mich an einer Tankstelle irgendwo im Nirgendwo aussteigen. Anschliessend bin ich gut eineinhalb Stunden lang entlang der Highway gewandert. Rucksack auf dem Ruecken, ueber der linken Schulter mein Herrenhandtaeschchen, in der rechten Hand meine Musikschultasche mit den Unterlagen (schliesslich bin ich immer im Dienst)- und das alles mit meinen schoenen zweifarbigen Schuhen. Es muss ein Bild fuer die Goetter gewesen sein. Weit ueber 35 Grad heiss, Platzangst, weil ein Riesen-LKW nach dem anderen vorbeidonnerte. Irgendwann kam ich in eine Art Stadt. Es dauerte aber noch eine weitere Stunde, bis ich dann ein Motel gefunden habe. Eine Dusche und dann: Aufbruch zur Suche nach dem Grab von Mr Cole Porter. Selbstregend habe ich es gefunden und war selig. Eine Stunde lang habe ich dort meditiert und war eins mit dem grossen Meister. Nach dieser Meditation musste ich mich wieder mit den Realitaeten auseinandersetzen: Wie komme ich hier jemals wieder weg, ohne nochmal diese Tortur durchmachen zu muessen (so froh ich auch bin festzustellen, dass ich doch noch recht belastbar bin)? Die Loesung: mein Motelier bot mir an, mich am uebernaechsten Tag - denn einen Tag lang wollte ich noch den Wurzeln von Cole Porter nachspuren- fuer 100 Bucks in die naechste Stadt zu fahren. Immerhin etwas.
First thing next morning: Anruf im Cole Porter Geburtshaus, um eine Besichtigung zu vereinbaren. Ich hatte es schon im Vorfeld versucht, aber niemanden erreicht. Diesmal hatte ich Glueck und wurde sogar abgeholt (ich erinnere an die recht grossen Entfernungen sogar in einer Kleinststadt). Es war dann auch sehr beeindruckend, in dem Zimmer zu stehen, in dem der grosse Meister geboren wurde. In diesem Haus hat er die ersten 10 Jahre seines Lebens verbracht. Die Geschichten, die die Dame zu erzaehlen hatte bargen keine Ueberraschungen fuer mich. Eine grosse Ueberraschung aber war die Existenz eines Museums, in dem einige Dinge von CP untergebracht sind. Zum Beispiel sein Cadillac, eine Spezialanfertigung. Ein Riesenschiff, mit dem er einige seiner Reisen bestritten hat und…mein Herz blieb stehen…ein Sofa aus seinem New Yorker Appartment (auch eine Spezialanfertigung.) Es ist besonders tief, damit er seine verkrueppelten Beine bequem darauf ablegen konnte. Ich konnte es sogar anfassen. Also - dieses Erlebnis hat mich total umgehauen.
Danach gab es ausser Fruehstuecken auch nichts mehr zu tun als den Rest des Tages abzuwarten, denn der Ort Peru gibt ueberhaupt nichts her. Man kann nichts tun ausser Channel-Surfen im Zimmer. (ist ja auch mal ganz entspannend). Kein Restaurant-kein nichts. Ach ja: die Dame im Museum hat mir angeboten, mich fuer umsonst zu dieser Bushaltestelle zu bringen. 100 Dollar gespart. (Wie ich dann heute feststellte, haelt der Bus aber nur dann, wenn man sich wie ein Irrer bemerkbar macht. Sonst braust er durch. )
Selbstverstaendlich war ich auch am zweiten Abend bei der Grabstelle. Ich habe dort den Sinnspruch fuer den GOFI Contest 2012 gedichtet (mehr verrate ich nicht).




PS: Ein bisschen Politik: wenn hier jemand unbeliebt ist, dann ist es Barack Obama. Und ich habe mit vielen Leuten gesprochen. Auch das Fernsehen berichtet, dass seine Beliebtheit dramatisch gesunken ist. Ein anderer Amerikaner erzaehlte mir:”There is no global warming!” Warum? Weil nur Gott die Macht hat, das Klima zu beeinflussen. So einfach kann es sein.